Das Bier Für sehr viele ein beliebter Gefährte
Von der Wüste Gobi bis in die feuchtfröhlichen Madrider Schenken und an die warmen Strände der Karibik erobert das prickelnde und schäumende Bier unterschiedslos den Gaumen von Bauern und Doktoren, von Philantropen, ja sogar von Tyrannen. Dieser schäumende Frohsinnerzeuger ist ein Allerweltsgetränk, das den Menschen allerorts mundet.
Es gibt viele Biersorten, von hell bis dunkel, von leicht bis stark, mit oder ohne Malz, mit mehr Alkohol oder alkoholfrei, damit immer mehr Menschen froh bekunden, daß nichts köstlicher ist als ein Glas Bier.
Dies war vielleicht die seit Beginn der christlichen Zeitrechnung am weitesten verbreitete Meinung, als bereits in ganz Nordeuropa Bier gebraut wurde. Schon von seinen Ursprüngen an, die von den Chronisten in die Zeit der ägyptischen Pharaonen eingegliedert werden, hat dieses Getränk Anklang gefunden.
Die Forscher nehmen Bezug auf Schriften des Jahres 1800 v.u.Z., in denen die Zubereitung des Getränks auf der Basis des Gärungsprozesses von Gerste mit Naturhefe beschrieben ist. Die Gerste und Naturhefe wurde zu den in den Schriften genannten Anteilen in einem Gefäß mit Wasser vermischt und dieses dann eingegraben.
Die Revolution des 7. Jahrhunderts Zu einem großen Umschwung in der Bierbrauerei kam es im 7. Jahrhundert v.u.Z. durch die Zugabe des Hopfens. Der Hopfen ist eine aus Eurasien stammende Pflanze mit rauhen Stengeln, drei- bis fünflappigen Blättern und kleinen Blütenständen, die zu zapfenartigen von feinem gelben Pollen bedeckten Fruchtständen reifen. Deren Bitterstoffe verleihen dem Bier dieses sein besonderes Aroma verleihen.
Das Bier, dieses wohlschmeckende Getränk, ist das Resultat aus einem Gärungsprozeß, in dem unbedingt Wasser, Hopfen und Gerste dabeisein müssen, wobei letztere mitunter durch Mais, Reis oder Zucker ersetzt wird. Der Rückstand ist eine nährstoffreiche Masse.
Braumeister versichern, daß der Brauprozeß des Getränks mit der Auswahl der Gerste beziehungsweise mit der Kombination der anderen einzusetzenden Getreidearten beginnt. Diese Mischungen von leichtem und etwas mehr säuerlichem Geschmack nennt man helles oder Weizenbier.
In den Jahren 1860/1870 begannen die US-amerikanischen Bierproduzenten, neben der Gerste auch andere Getreidearten einzusetzen. Mais, Reis und Weizen wurden in größerem Umfang angebaut als die als die Gerste und waren daher billiger, wodurch sich die Produktionskosten des Bieres senkten.
Mit Einführung der Dampfmaschine ab 1784 kam es zu Einsparungen in der Herstellung dieses Getränkes.
Das ausgewählte Korn wird gemahlen und mit heißem Wasser versetzt, bis es einen zuckrigen Aufguß ergibt, den die Deutschen Wort nennen. Danach werden Hopfen und - je nach gewünschter Erhöhung des Alkoholgehalts - Zucker zugesetzt. Auf diese Weise erhält man die Würze, der die Bierhefe zugegeben wird und schließlich der Gärprozeß einsetzt.
Die Wissenschaft im Bier Zum Bierbrauen trugen berühmte Persönlichkeiten bei. So der französische Chemiker Louis Pasteur, dessen Studien der Gärungsvorgänge eine Grundlage zur Verbesserung der Herstellung dieses Getränkes und seiner Konservierung durch Pasteurisation lieferten.
Eine weitere technische Erfindung, von der die Bierproduktion profitierte, war die Fremdkühlung. Dadurch konnte in den Sommermonaten Bier gebraut werden, ohne befürchten zu müssen, daß Hitze und Gärungsbakterien der Luft dem Prozeß schaden. So war nun die Methode der Bayern, das Bier in eiskalten Höhlen am Fuße der Alpen zu lagern, passé.
Die Biere sind in Geschmack, Farbe und Stärke sehr unterschiedlich. Doch ihr Hauptmerkmal wird bestimmt durch die eingesetzte Hefe. Steigt diese an die Oberfläche der in Gärung befindlichen Mischung, dann handelt es sich um obergärige Biere vom Typ Ale. Setzt sich die Hefe dagegen als Bodensatz des Bottichs ab, dann handelt es sich um untergäriges wie beispielsweise Lager-Bier.
Den Fachleuten zufolge gärt das englische Ale schneller, und zwar bei 15 bis 25°C und kann nach nur einigen Tagen nach Abschluß des Gärprozesses getrunken werden. Bei Lagerbier verläuft die Gärung langsamer bei Temperaturen zwischen 5° und 9°C; auch erfordert es eine Lagerung bei 0°C über einen Zeitraum von drei Wochen bis zu drei Monaten. Daher auch sein Name.
Das erste Bier, das der Mensch getrunken hat, war obergäriges Ale. Viele Jahrhunderte später kamen die Lagerbiere auf. Ihre Leichtmundigkeit hat sie marktführend werden lassen. Die ältesten Angaben über Lagerbier sind in Schriftstücken des Münchner Rathauses aus dem Jahr 1420 zu finden.
Zwischen diesen beiden Bierarten wurden weitere entwickelt, so daß jeder Gaumen zufriedengestellt werden kann. Zu dieser Gruppe gehören das stark gehopfte englische Bitter; das dunkle schwach gehopfte und alkoholarme Ale Mild; das ebenfalls dunkle und bitterliche Stout mit bis zu 10 % Alkoholgehalt; das deutsche Bockbier, ein starkes Lagerbier, das größtenteils in den Wintermonaten getrunken wird; das tschechische Pilsner, ein goldgelbes, herbwürziges Lagerbier; das bayrische Münchner, ein tiefdunkles Lagerbier, und das Wiener, ein rötlich-bernsteinfarbenes Lagerbier. Es gibt noch andere wie beispielsweise die nur in Belgien und Holland gebrauten Zisterzienser (Klosterbräu-Biere), eine Art starkes Ale.
Biere der Karibik Kuba gehört möglicherweise zu jenen Flecken der Erde, in denen der Zauber des Bierbrauens zuletzt Fuß faßte. Alten Eintragungen aus spanischer Kolonialzeit zufolge begann man mit dem Brauen dieses erfrischen Getränks im Jahre 1888, und zwar rein handwerklich und sehr begrenzt in einer alten Eisfabrik im heutigen Stadtviertel El Cerro von Havanna. Hier wurde ein leichtes Lagerbier gebraut, das den Namen Tropical erhielt. Seine sofortige Akzeptanz bei den Kubanern trug zur Weiterentwicklung der Branche bei, wobei die Merkmale fast sämtlicher Biere denen ihrer europäischen Artgenossen ähnlich sind. Auch hatten Marken mit so symbolischen Namen wie Polar, Cristal und Hatuey sowie die neueren Tínima, Mayabe und Bucanero keine größeren Schwierigkeiten bei ihrer Einführung und Behauptung auf dem Binnenmarkt.
In Peru wird ein Bier gebraut, das sie Chicha nennen; und in Mexiko-City wurde kürzlich ein Lokal eröffnet, in dem Bier mit Fruchtgeschmack, ja sogar mit dem scharfen Chiligeschmack getrunken werden kann. Doch diese Variationen und Experimente sind der Beliebtheit des Corona überhaupt nicht abträglich. Seine Leichtmundigkeit hat es auf dem US-amerikanischen Markt zu dem mit der stärksten Nachfrage dotierten ausländischen Bier werden lassen. Das Corona ist Erbe einer 1890 eingesetzten Tradition, als die erste Brauerei Mexikos in Monterrey mit einer Kapazität von etwa 5000 Flaschen pro Tag die Produktion aufnahm. Eine ähnliche Anlage, doch mit höherer Kapazität, wurde vier Jahre später in Orizaba in Betrieb genommen. Insgesamt zeigen die mexikanischen Biere einen deutlich europäischen Einfluß, vor allem der deutschen und Wiener Lagerbiere.
Als gegenwärtig größte Bierproduzenten erfassen die Statistiken die Vereinigten Staaten, Deutschland, Rußland, das Vereinigte Königreich, China, Japan und Mexiko.
Die Gewohnheit des Biertrinkens ist so verbreitet auf der Welt, daß das Getränk aufgrund seiner erfrischenden Eigenschaften und geringerem Alkohol- und Kaloriengehalt von vielen dem Wein vorgezogen wird, sogar beim Essen, vor allem zu scharfen oder stark gewürzten Gerichten. Auch bei berühmten Menüs hat das Bier dem Wein den Rang abgelaufen, so bei mariniertem Bonito vom Grill, gebackener Languste a la Blanche de Chanbly, Lachs Houten Hop und anderen.
Eine weitere Besonderheit des Bieres besteht darin, daß der optische Eindruck immer angenehmer wird; das heißt, der erste Eindruck, den es hervorruft, ist bestimmend. Heutzutage gibt es so viele verschiedene Gläser, Tulpen und Seidel wie es Bierarten gibt. Lange Zeit wurde jedes Bier aus gleichartigen Gläsern getrunken. Nun führte die Bedeutung des Diversifizierens je nach der Marke dieses Getränkes sogar zu dem Extrem, daß einige Produzenten ihre Designs eintragen und patentieren ließen, um sie einer bestimmten Biermarke zuzuordnen.