Nach dem Abendessen und einer kurzen Ruhepause im Hotel steht nun die Entscheidung an, wo ich Havanna bei Nacht erleben will. Es ist gerade Donnerstag, an dem im Festsaal Macumba die Besten der Salsa auftreten. Ich muß freilich mit einem Taxi fahren, denn der Macumba-Saal befindet sich in dem Außenbezirk La Coronela. Beim Hören der Salsa und dem Genießen von gutem Ambiente vergeht die Nacht wie im Fluge.

Zweiter Tag Mein zweiter Tag in Kuba bricht an. Die Nacht im Macumba-Saal war etwas ganz Außergewöhnliches. Heute will ich nun andere Teile Havannas kennenlernen. Ich beginne mit dem Stadtteil Miramar. Nach einem guten Frühstück im Hotel fahre ich im Taxi bis zur bekannten 5th Avenue. In diesem Viertel ist der größte Teil der Botschaften zu finden. Neben der Eleganz der großen Villen, Gebäude und Restaurants stechen hier die vielen Grünanlagen hervor, die für die Stadt ein Lebenshauch sind.

Durch den kleinen Tunnel, der Miramar mit der Stadt verbindet, fahren wir zurück und halten kurz am Friedhof, der Kolumbus‘ Namen trägt. Hier machen wir uns mit der Bestattungstradition in Kuba vertraut. Viele der Grabdenkmäler sind hervorragende Kunstwerke; Gräber, umwoben von phantastischen Legenden und Grabsteine, die die Witzigkeit des Kubaners - sogar angesichts des Todes – ahnen lassen.

Wieder im Taxi, geht es nach Centro Habana zum Callejón de Hammel. Diese kurze Gasse wurde zu einer ungewöhnlichen Wandmalerei der afrokubanischen Kultur umgestaltet. Das Originale der Stätte ist der Grund für den verstärkten Besuch von Touristen, die wie ich in nur wenigen Tagen die besonderen Reize dieser Insel erfassen möchten. Meine Rundfahrt führt mich zum Museum der Revolution im ehemaligen Präsidentenpalais; danach zum Capitolio (einstiges Kongresshaus). Seine Außenstruktur ähnelt anderen dieser Bauten in Amerika, doch innen ist es von unvergleichlicher Kunst und Großartigkeit, wie man es unmöglich in Worten beschreiben kann. Weiter geht es zum riesigen José Martí-Denkmal auf dem Platz der Revolution und dann zurück in die Altstadt, an den Platz der Kathedrale, zum Mittagessen. Das Restaurant El Patio, eingerichtet in einem prächtigen Bau des 18. Jahrhunderts, mit seinem Innenhof, Springbrunnen und Balkonen machte auf mich einen anheimelnden Eindruck. Zweifelsohne hatte ich die richtige Wahl getroffen, sowohl in bezug auf das Ambiente als auch auf den gastronomischen Genuss.

Der nächste Punkt in meinem Programm ist das Museum der Schönen Künste mit seiner beeindruckenden Fassade, doch ist für einen heutigen Besuch die Zeit leider zu knapp. Nun begebe ich mich zum belebtesten Teil des Stadtteils Vedado, der Straße 23 und ihrem Abschnitt La Rampa mit seinem „Museo para pisar“. Es ist dies eine Art Wandmalerei direkt auf den Fußwegen mit Reproduktionen von Werken berühmter kubanischer Vertreter der bildenden Kunst. Ich beschließe, hier noch ein Weilchen zu verbringen, einen Imbiss zu nehmen und noch etwas mehr von der vielseitigen kubanischen Kultur in mich aufzunehmen. Ausgezeichnet erscheint mir für diese meine Absicht „La Zorra y el Cuervo". Heute darf ich nicht die Nacht hindurch bummeln, denn morgen werde ich sehr früh schon wieder unterwegs sein.

Ein Paradies von Sonne und Strand Um 8.30 Uhr nehme ich mir am Hotel ein Taxi, sage der Hauptstadt ade und will nun Varadero kennenlernen. Eine Stunde später bin ich in der Stadt Matanzas, die die Beinamen das Athen Kubas und die Stadt der Brücken trägt. Der zuletzt genannte findet bereits bei Einfahrt in die Stadt seine Rechtfertigung. Ich lasse kurz halten, und im Umkreis einiger weniger Straßengevierte sehe ich das in der Welt einmalige Apothekenmuseum, die Kathedrale, das durch seine außergewöhnliche Akustik berühmte Sauto-Theater und den Platz La Vigía, an dem mehrere kulturelle Einrichtungen zu finden sind.

An der Stadtausfahrt blicke ich zurück; von hier aus bietet die Stadt den Anblick eines großen um ihre wunderschöne Bucht errichteten Amphitheaters. Ihre Einwohner sind stolz auf ihre Naturschönheiten, ihre Historie und ihre Kultur und präsentieren sie mir voller Poesie.

Bis Varadero fahre ich 20 Minuten, und bei meiner Ankunft brennt die Sonne bereits heiß. Es ist kurz vor Mittag; das meldet auch mein Magen, und so mache ich an einer malerischen Stelle Halt; „La Esquina Cuba“, ein Restaurant mit ganz besonderem Flair und ausgezeichneten einheimischen Speisen.

Für meinen Kurzaufenthalt von nur einer Nacht begebe ich mich ins Hotel. Entschieden habe ich mich für das Meliá Varadero, das mir als vortrefflich empfohlen wurde. Aus meinem Gepäck nehme ich lediglich die Badesachen und ein sauberes Hemd und lenke meine Schritte zum Josone-Park, wo die Natur, die Bauten und das allgemeine Ambiente meiner Kamera keine Ruhepause gönnen.

Mein gedrängtes Programm führt mich nun zur Villa Xanadú. Von der Straße aus ist der Golfplatz zu sehen, der zu den sechs besten in der Karibik gehört. Sein bloßer Anblick ist beeindruckend, doch wieder läßt es die Zeit nicht zu, seine technischen Qualitäten in Augenschein zu nehmen und zu bestätigen. Die Villa Xanadú – einst im Besitz des Millionärs Irenee Dupont de Nemours und heute Klubhaus des Varadero Golf Club – ist großartig angelegt, sowohl vom Baulichen als auch von der ausgezeichnet erhaltenen Innendekoration her.

Es ist Spätnachmittag und damit die beste Zeit für ein Bad im Meer. Es wäre ja fast eine Sünde, in Varadero zu sein und nicht kurz ins Wasser zu gehen. Schließlich liegt vor mir ein viele Kilometer langer weißer Sandstrand, dessen Verlockung man unmöglich widerstehen kann.