Ich kehre ins Hotel zurück und beschließe, am Abend nicht auszugehen. Im Meliá kann ich ebenfalls Kulturveranstaltungen besuchen; und morgen muß ich recht früh zum Flughafen, um den zweiten Teil meine superschnellen Abenteuers anzutreten: Santiago de Cuba und Holguín.

Reise nach Santiago Der Tag verspricht, vortrefflich und sehr lebendig zu werden. Ich will den kubanischen Osten kennenlernen und bin darauf gespannt, denn den Empfehlungen zufolge ist er ein Paradies. Ich packe, frühstücke, nehme ein Taxi zum Flugplatz der Aerocaribbean in Wajay und nehme den ersten Flug nach Santiago de Cuba.

Bei Abflug aus Havanna blicke ich von oben noch einmal auf die Hauptstadt. Der Flugkapitän informiert unsere Flughöhe; es sind 23 000 Fuß. Wir fliegen über den Wolgen, die schneeweiß unter den Tragflächen vorüberziehen.

Zwischen beiden Orten liegen etwa 800 Kilometer, und nach eineinhalb Stunden setze ich gegen Mittag meinen Fuß auf den Boden von Santiago de Cuba, der heißen Erde, der Erde des Son. Beeindruckend zeigt sich beim Anflugsinken das Gebirgsmassiv mit dem Nationalpark Sierra Maestra. Zu ihm gehören 17 Erhebungen, sämtliche über 1300 Meter hoch. Zu nennen ist hiervon der Pico Turquino, mit 1974 Metern der höchste Berg der Insel.

Fast streifen wir die Anhöhen der Wallfahrtskapelle El Cobre, dieser mythosumwobenen Stätte der geistigen Zurückgezogenheit, deren Hauptfigur die Schutzheilige Kubas ist, die Barmherzige Mutter Gottes von El Cobre, die vom Papst Johannes Paul II. gekrönt wurde.

Am internationalen Flughafen Antonio Maceo nehme ich ein Taxi, das mich in die Ciudad Héroe, die heldenhafte Stadt bringt. Von den Hotels sagt mir das Casa Granda am Cépedes- Park zu, dem Herzen des kulturellen Lebens der Stadt.

Von hier aus hat man einen Rundblick auf den kolonialen Teil der Stadt, die Bucht und die Berge, den Céspedes-Park als historisches Zentrum und die ältesten, monumentalen und hierarchischen Bauten seines Umfeldes wie die Kathedrale, die das Werk birgt, das als erstes Gemälde der Insel gilt: Es ist ein Täfelchen des Ecco-Homo. Die Hitze scheint sich auf diese Tageszeit zu konzentrieren, und trotzdem steht den Passanten ein Lächeln im Gesicht.

Zwei Stunden zu Fuß durch Santiago waren ausreichend, um das älteste Haus Amerikas aufzufinden, den Palacio Municipal mit aneinander gereihten Balkonen und vertäfelten Dächern; das Haus de Gouverneurs, heute Möbelmuseum; und der Valásquez-Balkon, von dem aus Präsident Fidel Castro zum ersten Mal zu den Kubanern sprach.

Danach gehe ich durch die Straße Aguilera und gelange zum Bacardí-Museum, das sich mir in all seiner historischen und künstlerischen Größe darbietet. Weiter vorn der Dolores-Platz mit seinen häuslich anmutenden Balkonbauten.

Ich möchte etwas essen und mache an der Casa de Don Antonio Halt. Hier werde ich mit einem Cocktail empfangen und versuche mein Glück mit der einheimischen Küche: Reis mit Bohnen nach Art der kubanischen Ostregion, Yucca mit Knoblauchsoße übergossen und Schweinebraten; dazu ein Bier der Marke Hatuey, das typische Bier Santiagos. Alles mundet wahrhaft lecker.

Ich fühle mich rundum wohl, und meinen Rückweg zum Hotel trete ich über die Straße Heredia an; es ist die berühmteste Straße Santiagos, die von Calvario bis San Pedro ein einziges Menschengewimmel ist. Durch diese enge Straße scheinen Fahrzeuge und Passanten einander um Passiererlaubnis zu bitten; es ist echt phantastisch. Alle scheinen das gleiche Recht des Passierens zu haben, doch es ist nicht so; die Autos fahren langsamer, um angesichts der vielen Fußgänger bestehen zu können. Ich betrete das Haus des Dichters José María Heredia, um zu sehen, wie das Andenken und das Haus des romantischen Verfassers der Ode an die Niagara-Fälle bewahrt wird.

In der Casa de la Trova verweile ich länger als geplant. Durch die Türen dringt die übergreifende Musik der Trommeln und Gitarren, und ich beobachte die mit so viel Anmut Tanzenden.

Santiago ade Gestern vereinbarte ich mit dem Reisebüro Cubanacán, die Strecke nach Holguín per Omnibus auf der Landstraße zurückzulegen. Die Abfahrt ist für 16.30 Uhr ab Céspedes-Park festgelegt mit Übernachtung in Playa Guardalavaca. Das ist in Ordnung, und vor der Abfahrt werde ich mir in Santiago de Cuba noch andere Stätten ansehen.

Für die Fahrt nach der 18 Kilometer entfernten Wallfahrtskapelle der Barmherzigen Mutter Gottes von El Cobre nehme ich ein Taxi und bin in wenigen Minuten auf der vom Flugzeug aus gesichteten Anhöhe. Zu so früher Stunde, um 8.00 Uhr morgens, wurde in der Kirche bereits eine Messe zelebriert.

Ich fotografierte mehrfach die Stätte, das Umfeld und die Schutzheilige Kubas, umgeben von Sinnbildern und Reliquien, die im Verlauf der Jahre von den Frommen dargebracht wurden.

Im erfrischenden Gebirgsklima von El Cobre verweile ich nicht länger als eine Stunde. Wieder im Taxi, führt mein Weg nach Baconao. Die Gegend gilt als die grüne Lunge der heißen Stadt; und an der Lagune von Baconao genieße ich ein anderes, ein stärkendes Ambiente. Unweit von hier das Museum der Vorgeschichte im ausgeprägten Stil des Jurazeitalters.

Wieder in der Stadt, esse ich im Restaurant La Rueda zu Mittag, denn es liegt am Weg und ist das Geburtshaus von Compay Segundo, dem berühmten Musiker des Chan Chan. So ist auch an einer seiner Wände zu lesen: In diesem Haus wurde ich, Francisco Repilado alias Compay Segundo, geboren.

Die zwei letzten Stunden meines Aufenthalts in Santiago verbringe ich im Hotel. Ich sage dieser Stadt ade und bin es zufrieden, zumindest ein paar Stunden auf ihr Kennenlernen verwandt zu haben, und ich bin dankbar für die freundliche Aufnahme, die mir allerorts zuteil wurde.