Don Habano …
Ich nehme die Zigarre in die Hand, liebkose sie wie eine Frau und benutze all meine Besonnenheit und Hingabe zum Anzünden eines Kunstwerkes: einer Habano. Es ist der Vorgeschmack auf viele Genüsse: ihr exklusives Aroma, vorzüglicher Geschmack und Stärke. Beim Erhitzen betrachte ich sie und bewege sie nach gewohnter Art und Belieben, so als genösse ich sie bereits.
Man braucht dazu die nötigen Utensilien wie ein Zedernhölzchen, Feuerzeug, Mundstückabschneider sowie eine gewisse Vorstellungskraft. Das Ganze könnte als ein elementarer Akt erscheinen, doch das ist ein Irrtum. Es ist ein magisches Ritual, wobei jenen, die keine Verkaufsstätten kubanischer Zigarren in ihrer Nähe haben, das Wasser im Munde zusammenläuft.
Diese Legende – denn die Havanna-Zigarre ist zu einer geworden – hat bereits viele Jahre auf dem Rücken. Doch wir wollen nicht auf die mehr als 500 Jahre seit dem Bekanntwerden des Tabaks zurückgreifen, sondern auf einen „Boom“ aus den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Dieser wurde zusätzlich angeregt durch das Erscheinen von Fachzeitschriften, gerichtet an eine Elite von Geschäftsleuten, Gourmets, Sybarits, Epikureer oder wie man auch immer sie nennen mag.
Unter den vielen Marken hielt sich die Havanna-Zigarre wie seit Jahrhunderten auf den ersten Plätzen. Dazu kommt die Initiative der Internationalen Habano-Festivals, die 1994 – anlässlich des 150. Jahrestages der Marke H.Upmann – einen sehr bescheidenen Anfang nahmen.
Wir betrachten hier ein handgefertigtes Produkt, dem drei Faktoren zugute kommen: das Klima, die Bodenbeschaffenheit und die langjährige Erfahrung der Produzenten. Jedoch ist die Zigarre auch verbunden mit Getränken, Schmuck, Mode, Speisen, Geschäftstreffen, Künstlerevents wie die des Films und vor allem mit dem Wichtigsten, dem herrlichen Genuss.
Ein Anzug nach Maß Der soziale Status mit seinen stets überraschenden holprigen Wegen zwingt Personen von Stand zu gewissen Gewohnheiten, einige elementarer, wieder andere exotischer Art. Goldene Uhren, extravagante Frisuren bei den Frauen, teure Parfüms und gewagte Kleidung sind nur einige der sozialen Gewohnheiten, die im „Boom“ der Habanos sowohl bei Herren als auch bei Damen – gipfeln.
Man fühlt sich wie im Traum, wenn man beispielsweise eine gute Montecristo, Romeo y Julieta, Partagás, Hoyo de Monterrey, Por Larrañaga oder, ganz exklusiv, eine Cohiba raucht, diese vom kubanischen Präsidenten Fidel Castro, als er noch Raucher war, promotete Marke.
Die Erklärung ist einfach. Die Sache bewegt sich zwischen den Verboten und den Preisen. Auf der einen Seite bewirken die gegen das Rauchen verstärkt geführten Kampagnen – vor allem in Ländern wie den USA, wo aus politischen Gründen die Habanos ohnehin verboten sind – bei den Rauchern ein gesteigertes Verlangen.
Andererseits bedeutet der fast schon prohibitive Preis, der mitunter bis zu 50,- Dollar pro Stück erreicht, eine Statusanhebung des Käufers und natürlich auch des Rauchers. Und da diese doch so komplizierte Welt ihre ureigensten Details aufweist, drängt sich nur ein Herkunftsland auf: Kuba.
Zum „Boom“ der Habano kam es nicht ohne Grund. Dafür bürgt Fingerspitzengefühl in ihrer Fertigung, deren Sockel im Westteil der größten Insel der Antillen (in Vuelta Abajo der Provinz Pinar del Río) und in der manuellen Fertigkeit der Zigarrendreher zu suchen ist. Die genannte Region liefert 70 % des kubanischen Tabaks, und die hier tätigen Tabakarbeiter sind sehr erfahren in ihrem Metier.
So kommt es auch, dass Berühmtheiten Hollywoods wie Arnold Schwarzenegger, Whoopy Goldberg, Joe Pantoliani, Matt Dillon, Seymour Cassell oder der fast schon zum Mythos gewordene Jack Nicholson auf der langen Liste der leidenschaftlichen Habano-Raucher stehen, auf der neben Hunderten weiterer Berühmtheiten ebenfalls der britische Premierminister Winston Churchill, die mexikanische Diva María Félix und der Guerrilleroführer Che Guevara zu finden sind.
Nicht wenige Regisseure erwähnen das Produkt in ihren Filmen oder benutzen „cuban cigar“ in deren Dialogen und promoten kubanische Musik. All das läuft am Ende auf das Gleiche hinaus, nur dass es mit der Habano etwas anderes ist, mit ihren etwa dreißig Marken und unendlich vielen Formaten und Bauchbinden.
Die Schauspieler der USA sind nicht die einzigen jenes Metiers. Auch bei den französischen gibt es leidenschaftliche Habano-Raucher wie Gerard Depardieu, der Kuba besuchte, hier Zigarren rauchte und sich einen ansehnlichen Vorrat mit nach Hause nahm.
Doch das ist lediglich die Spitze des Eisbergs, wie man zu sagen pflegt. Senatoren der USA wünschen sich sehnlichst, eine Cohiba zu rauchen. Viele von ihnen sind echte Raucher, andere möchten damit ihren sozialen Status unterstreichen, doch bei vielen liegt der Grund einfach darin, dass es ihnen verboten ist.
Ebenso sollte nicht vergessen werden, dass es auf Grund der bekannten wirtschaftlichen Situation der Insel Zeiten mit Senkung der Exportmengen der Habanos gab, was Verlangen und Nachfrage nur noch steigerte und die Raucher wie närrisch nach einer Habano waren, vor allem nach Doble Corona und Churchill, ganz zu schweigen von Espléndido der Marke Cohiba oder von Montecristo A.
Obendrein wurde diese Mode von den bedeutendsten Models unterstützt. So kann man auf den Titelseiten Frauen wie Linda Evangelista mit ihrem Gesicht einer Mischung aus Engel und Vamp mit einer Zigarre zwischen ihren schönen Lippen sehen. Auch für den kleinmütigsten Raucher eine Versuchung.
Oder auf den Titelfotos erscheint Demi Moore, bekannt für Degustieren von Habanos und ihre unterschiedlichen Filmrollen. Ja sie hat es sogar gewagt, während der Schwangerschaft für ein Titelfoto nackt Modell zu sitzen. Eben nichts weiter als Werbung und Philosophie der Sinne.
Diese Wege führen nach Rom, wie schon das Sprichwort sagt. Das Feinste vom Feinen aber zeigt sich bei den großen Empfängen in Paris, New York, Madrid, Rom und vielen anderen berühmten Städten. Warum also nicht auch in Havanna?
Das Mekka des Rauchs Die kubanische Hauptstadt wird zum Mekka des Rauchs, wenn alljährlich im Februar das Internationale Festival stattfindet mit Verkaufsmesse, Symposium, Besuchen in Tabakpflanzungen und Zigarrenfabriken, Treffen, Degustieren und den speziellen Sommelierwettbewerben mit Habanos (Auswahl, Abschneiden des Mundstückes, Anzünden) und Whisky, um diese berühmte Spirituose gemeinsam mit der nicht weniger berühmten Zigarre zu genießen.
Doch vor allem ist es das Abschlussdinner, das den i-Punkt auf diese Festwoche setzt. Hier werden Spezialitäten versteigert, viele mit persönlich gegebener Unterschrift Fidel Castros. Es sind Kunstwerke an Habanos und Humidoren. Auch wird der Preis Habano des Jahres, sozusagen ein Oscar der Zigarren, verliehen.
Zwischen Verkaufs- und touristischen Messen trägt die Habano kaiserliche Kleider und gibt, wie die besten Filmstars, Anlass zu einer Reihe von Kommentaren, von Geschichten, die fehl am Platze sind wie Vertragsstreitigkeiten, Fälschungen – Gibt es überhaupt etwas von Wert, das man nicht zu fälschen versucht hätte? – und viel Glamour.
Die Habano bemächtigt sich überaus des sozialen Lebens in Schlips und Kragen; denn wenn ein Dom Perignon, ein Oporto oder ein authentischer kubanischer Rum getrunken wird – sei es von einem Deutschen, dem pünktlichen Briten oder dem lustigen Menschen aus der Karibik – , ist rundum das Niveau zu spüren.
Diese Zigarre ist in 100 Ländern der fünf Kontinente erhältlich außer in den Vereinigten Staaten. Bevorrechteten Rückenhalt gibt ihr La Casa del Habano mit 95 Niederlassungen weltweit. Hier erhält der Käufer neben der Ware auch Erläuterungen zur Geschichte und Kultur der Habano und verkostet wird mit kubanischem Rum und kubanischem Kaffee.
Die Habano ist Gesprächsbegleiter ihrer Liebhaber vom Westen der Alten Welt bis nach Arabien (wo der Islam das Rauchen und den Genuss von Alkohol verbietet). Die vornehmen Leute zünden keine Zigarre anderer Herkunft an, es hat eine Habano zu sein, denn diese verschafft Glanz und Ruhm.
Es gibt sie, die auf das Gedeihen ihre Geschäftes hinweisen wollen, indem sie bei Vertragsabschluss eine Cohiba auf den Tisch legen oder schlicht zum Rauchen einer kubanischen Zigarre einladen.
Status ist nun einmal Status; er ist ein Vogel mit Höhenflug inmitten ruhiger sowie stürmischer Zeiten, der mitunter Opfer fordert, gelegentlich aber auch Erfreuliches bietet wie beispielsweise beim Ritual des Anzündens einer Habano mit einem Zedernhölzchen und dem gestandenen Wunsch des Ausstoßens des Aromas der Tabakpflanze, eingerollt in den Träumen und den Tugenden einer langen Liste jener, die viel vorzuweisen haben.