Der kubanische Osten
Ausgangspunkt sollte die Stadt Holguín sein, auf deren internationalem Flugplatz ich in einer der diversen Maschinen landete, die von Europa aus die Stadt der Parks ohne Zwischenlandung anfliegen. Die Straßen Holguíns führen zu reizvollen Plätzen. Der Platz der Iberoamerikanischen Kultur ist von besonderer Prägung, gepflastert und mit der alten Kirche San José, in deren golden glänzender Kuppel sich die Sonne spiegelt und deren Uhr am Hauptturm schon seit Jahrhunderten den Holguineros die Zeit angibt. Es ist dieser ein Teil des Altstadtkerns, wo alljährlich im Oktober die Iberoamerikanischen Kulturtage stattfinden. Mein dortiger Aufenthalt fiel mit diesem Ereignis zusammen, und sowohl die Kathedrale San Isidro als auch der historische Park Mayor General Calixto García und diese Kirche San José waren Zeugen meines Vergnügens inmitten des Tanzes, der überlieferten Tänze, Gesänge und Darbietungen von Musikkapellen und Wanderbühnen. Danach stiegen wir die Treppe des Loma de la Cruz hinauf und blickten aus einer Höhe von mehr als 400 Stufen auf das bunte Treiben der Kulturtage. Bereits am nächsten Morgen befanden wir uns im Fischerdorf Gibara. Hier hat der iberische Kolonialstil die Zeit überdauert. Zu sehen sind noch Ruinen spanischer Festungen, der Geschützstand von Ferdinand VII., die Museen für Wissenschaft, Naturkunde und Kunst der Kolonialzeit. Dem Blick vom Aussichtspunkt Los Caneyes aus bietet sich eine Hügellandschaft, und es ist jener Geruch nach Meer zu spüren, den die Brise des Atlantiks in die Küstenorte trägt. Kaum hatte die Reise durch den kubanischen Osten begonnen und wir uns für die von der Agencia Gaviota Tours Cuba Oriente gestaltete Tour entschieden, reisten wir nach Bayamo, dem Entstehungsort der Nationalhymne. Hier wehte auch zum ersten Mal die Fahne des Landes, und für immer bleibt die Opferung der Stadt im Gedächtnis, die, um sie nicht den Kolonialtruppen auszuliefern, von ihren Einwohnern in Brand gesteckt wurde. Hier prägen die traditionelle Musik der Insel, die Pferdekutschen und die belebten Straßen das Bild des Volkstümlichen im Umkreis der alten Kirche. Am dritten Morgen war uns bereits bewußt, daß jeder Tag eine Überraschung zu werden versprach, und die folgende bestand in einer Wanderung zu der mehr als zwanzig Meter hohen die Sierra Maestra hinabgleitenden Kaskade El Saltón. Dieses Gebirgsmassiv war Hauptszenarium des Befreiungskampfes auf Kuba. Vorbei an Kaffee-, Ananas-, Mango- und anderen Früchte tragenden Plantagen gelangten wir auf einem Ökopfad zum Haus eines Bauern. Ein Bad an der Naturkaskade, und wir waren für Santiago de Cuba reisefertig. Die Pflege der Traditionen wie das Fest des Feuers, der Karneval und die vom Son zum Chungüí reichende und von alten und jungen Sängern behütete uralte Musiktradition hat bewirkt, daß Santiago de Cuba als Hauptstadt der Karibik betrachtet wird. Der Besucher Santiagos sollte keinesfalls an der Casa de la Trova vorbeigehen, am Castillo del Morro, der Plaza de la Revolución, der Bar der Rumfabrik, ehemals Bacardí, dem Friedhof Santa Ifigenia mit seinem Denkmal des Naionalhelden José Martí, der Moncada-Kaserne, dem Céspedes-Park. Auch sollte man unbedingt die Kapelle zur Barmherzigen Mutter Gottes von El Cobre besuchen. Sie ist voller Opfergaben Tausender von Besuchern, die aus Neugier oder auf der Suche nach Ruhe und Frieden hierher pilgern. Der Nobelpreisträger für Literatur, Ernest Hemingway, ließ hier seine wertvolle Medaille zurück. Gleiches taten Olympioniken und Menschen sehr einfachen Herzens. Der sich entlang der Karibikküste von Santiago de Cuba erstreckende touristische Parque Baconao mit seinem Tal der Prähistorie und den zahlreichen vorgeschichtlichen Tierskulpturen in Lebensgröße bleibt uns als recht orginelle Stätte in Erinnerung. Die Osttour von Gaviota Tours enthält all jene Stätten, ebenso einen Besuch auf La Gran Piedra; und um unsere Erwartungen noch zu übertreffen, fand der Aufenthalt im karibischen Santiago de Cuba mit einer Nacht im Cabaret Tropicana seinen Abschluß. Auf der Strecke nach Baracoa bietet sich unseren Augen eines der landschaftlich bis zu diesem Zeitpunkt schönsten Gebiete. Entlang der Bergstraße La Farola führt die Fahrt durch das Gebirgsmassiv Sagua - Baracoa bis hin zur ersten auf Kuba gegründeten Stadt. Bei ihren Einwohnern sind noch die persönlichen Züge und Zeichen der Kultur der Urbevölkerung zu finden. Es sind einfache und freundliche Menschen und empfangen den Besucher in ihrer jovialen Art. Am Aussichtspunkt Malones, von wo aus man die Stadt Guantánamo erblickt, machten wir Halt. Die kontrastreiche Gegend zeigt für Kuba untypische Wüstenlandschaften, das Meer und das Gebirge, Höhen und eine wilde Natur. Das Gebiet längs dem Naturpark Alexander von Humboldt gilt als eines der größten Naturreservate des Landes. Weite Kakao-, Kaffee- und Kokosplantagen, wasserreiche Flüsse wie der Toa und der Duaba, der berühmte Yunque de Baracoa, die Cuchillas del Toa bieten in ihrer Gesamtheit einen beeindruckenden Anblick in diesem Teil der Karibik. In der Nähe befindet sich auch der der Insel aufgezwungene Flottenstützpunkt der Vereinigten Staaten. Auf dem knapp 42 Quadratkilometer großen Cayo Saetía vor der Nordküste der Insel Kuba verbrachten wir einen erlebnisreichen Tag. Seine Oberfläche ist von Wäldern bedeckt, und es leben Tiere hier, die auf der großen Insel selten sind, wie Antilopen, Rotwild mit weißem Schwanz, Nandus, Zebras und andere. Unberührte Strände umsäumen das Kap. Eine Bootsfahrt über die Bahía de Nipe bildete den Abschluß eines der phantastischsten Tage der Tour durch den kubanischen Osten. Nach Holguín zurückgekehrt, fuhren wir zu dem eine knappe Autostunde entfernten Strand Guardalavaca. Es war, als kehrten wir nach Hause zurück, doch diesmal mit einer anderen Blickrichtung: Besuche in einer Familienarztpraxis, wo man uns mit dem flächendeckenden Gesundheitsprojekt der Insel vertraut machte; Besuch eines Dorfes der Taino-Indianer, eine Nachbildung des Alltags der Ureinwohner in Lebensgröße; Besuch des Museumsfriedhofes Chorro de Maita, auf dem Überreste der ersten Bewohner aufbewahrt werden. Nur fünf Minuten von Guardalavaca entfernt liegen Playa Esmeralda und Cayo Naranjo. Sie gehören zum Naturpark Christoph Kolumbus, der noch andere Stätten von großer Schönheit sowie geographischer und historischer Bedeutung, wie die Bucht Bariay, zu bieten hat. Der Tag auf Cayo Naranjo war für uns einer der schönsten und hatte uns mit einem einzigartigen Erlebnis erwartet, dem Baden mit Delphinen. Der Urlaub ging zu Ende, und wir hatten kaum etwas Zeit reserviert, um unsere Sachen für die Rückkehr in den Alltag zu packen. Inmitten von Emotionen und Verabschiedung kam der Wunsch auf, dieses Abenteuer zu wiederholen, um vielleicht bei einem erneuten Besuch andere Stätten kennenzulernen, für die uns diesmal die Zeit nicht gereicht hatte.
Anmerkung: Der Agencia Gaviota Tours Cuba Oriente wurde diese Schilderung zugesandt. Bei der Veröffentlichung wurde dem Wunsch des Verfassers entsprochen und sein Name anonym gehalten. Es wurden Fotos der jeweiligen Orte beigefügt, um die von der Agentur organisierte Tour möglichst wirklichkeitsnah wie werden zu lassen.